Kraftortewanderung

Endlich finde ich Zeit über Felix und meine Wanderung vom 24. Juni bis 30. Juni zu schreiben.

An einem der heißesten Tage des Jahres, es müssen 37°C gewesen sein, und nach einem Abschied vom Naturgarten, brachen wir auf zur, voller Vorfreude erwarteten, Wanderung zum „Himmel auf Erden“ der Kraftortanlage im Harz bei Blankenburg.
Am Tor zur Straße stoppte Felix und sagte: „Bisher waren wir in der normalen Welt gewesen, doch jetzt betreten wir die Zauberwelt.“
„Zauberwelt – ein gerade würdiger Arbeitstitel für unser Vorhaben“ dachte ich, während wir uns den Weg durchs Brombeergebüsch bahnten, dass die stillgelegte Bahnschiene überwucherte.
Unsere Gedanken kreisten um das Gedicht, welches wir noch am Morgen für die Wanderung geschrieben hatten. Am Fuße der Helburg bei Timmenrode (auch „Kucksburg“ gennant), nahmen wir noch einige Besserungen daran vor.

Folgende Worte, unter dem Namen 12er-Reim, sind uns auf dem Weg Hüter und Weiser der der Anlage innwohnenden Bedeutung geworden:

Die Einheit entzweit
wird durch die Drei geweiht.
Wird physisch mit Vier,
die Fünf sind wir.

Zwei mal Drei Paare,
gegenüber gebunden,
sehen das Wahre.

Wir öffnen das Tor*
und wecken die Kraft,
die sich einst verlor.

Der Kreis dieser Orte,
zwölf an der Zahl,
umschließt den hellichten Strahl.
Durchdringt die ganze Welt,
gemäß seines Ur-sprünglichen
Wirkungsfeld

*( Mit „wir“ sind alle Menschen, die in der Vergangenheit und in der künftigen Zeit an den Orten wirkten und wirken werden, ebenso gemeint wie Felix und ich auf dieser Wanderung.)

Die Helburg, nicht einmal 10 Minuten vom Naturgarten entfernt, war also der erste der Orte, welche wir in Richtung des Sonnenlaufs, in den kommenden Tagen besuchen würden.
Die Sonne, sich dem Zenit nähernd, prallte auf uns hernieder, als wir dort unser „Ritual“ abhielten.
Nach dem Studium des Buches „Himmel auf Erden“ von Walter Diesing hatte ich mir erdacht, wie die für uns prägnantesten Punkte in einer Art Ritual, welches wir an jedem der Orte abhalten wollten, Ausdruck finden können.
Jedem Ort ordnete Walter Diesing germanische Gottheiten, ihre Qualitäten und Farben in der Regenbogenfolge zu. (Für weitere Informationen: https://harzthing.wordpress.com/uber-harzthing/ubersicht-der-platze/ubersicht-kraftorte/)
Wie es der Name darstellen will, verkörpert die natürliche Anordnung der Kraftorte annähernd den Tierkreis (oder besser „Thyr“kreis?). So: „Himmel auf Erden“. Jedem Ort ist demnach auch eines der Sternzeichen gewidmet. Davon lassen sich wiederum die vier Elemente ableiten.

Unsere Rituale bestanden somit grob aus folgenden Aspekten:
Zuerst sprachen wir das Gedicht. Danach wendeten wir uns in Gedanken an die Qualitäten Götterbilder. Wir ließen das jeweils zugehörige Element einfließen, (durch eine Bienenwachskerze, informiertes Wasser, oder Ornamente auf dem Boden).
Wir sangen ein Lied zu den Elementen. Außerdem visualisierten wir um den Kraftort herum sein farbiges Energiefeld (in Anerkennung der Auflistung W. Diesings). Von jedem Ort nahmen wir außerdem einen Stein mit.
Die sengende Hitze an diesem Tag passte zur Helburg, Ort des Löwen, des Feuers.
Die Qualitäten der Hel (Leistung, Liebe und Lebensfunktion) fühlten sich für uns in Verbindung mit der Sonne stimmig an. Ein weiterer Hinweis für die Bedeutung der Sonne in Bezug auf die Göttin „Hel“ ist der griechische Sonnengott „Hel“ios.

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Bei einem Besuch bei den drei Nornen (auch Hamburger Wappen genannt), fühlten wir uns durch die Nähe zum Naturgarten noch gar nicht richtig auf dem Weg. Die Hitze erleichterte uns das Wandern nicht gerade und so kamen wir an diesem Abend nicht weiter als bis zur Gewittergrotte bzw. den Fuchsklippen bei Blankenburg.
Zwischen hohen Kiefern fanden wir dort ein moosweiches Zeltplätzchen.

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Ein lautes Gewitter tobte draußen nach diesem heißen Sommertag, doch wir kuschelten uns (ich fast ohne Angst) zum Kerzenschein in unser Zelt und schliefen mit den Gedanken an ein Zitat ein, welches wir auf dem Weg an der Decke einer kleinen Höhle gelesen hatten: „Der Vogel der auf dem Zweig sitzt, hält Himmel und Erde im Gleichgewicht.“

Am Sonnabendmorgen in der Früh war unser Weg nicht mehr weit zum Großvaterfelsen.
Er ist dem Gott Njörd gewidmet, dessen Eigenschaften für Grundlage, Herkunft, Tradition und Ursprung stehen. Wir gingen zeitversetzt nach oben. Felix als erster, da der Großvater natürlich besonders auf das Männliche hinweist. Symbolischerweise konnte ich den Weg durch die jungen jedoch dichten Birken nur schwer finden. (Am Tag zuvor trafen wir zwei Frauen, die den Weg gar nicht ausfindig machen konnten). Sein Sternzeichen ist der Krebs, somit im Element Wasser.Wir gossen von uns informiertes Wasser aus, sagten den Spruch und sangen das Wasser-Elemente-Lied.
Danach begab ich mich allein zur Großmutter (einem zweiten Felsen neben dem Großvater).
Als ich mich auf halbem Wege umdrehte und hinauf zu Felix schaute, bot sich ein mächtiges Bild. Die ansonsten schweren grauen Wolken ließen drei Meter rings um Felix und den Felsen, einen helleren, von weißen Wolken bedeckten Kranz frei, durch den das Licht von hinten auf den Felsen fiel, so dass das Gestein und Felix nur noch silouettenhaft erkennbar war.
Dieser Eindruck verstärkte meine Wahrnehmung der gerade präsenten Energie.
Felix sang die von ihm umgedichtete Deutschland-Hymne, was das ganze wie eine gut geplante Vorstellung wirken ließ.
Auf der Großmutter saß ich genau Felix gegenüber. Wir hatten ausgemacht, eine Andacht zu Ehren unserer Ahnen abzuhalten. In der spürbar friedlichen und herzlichen Energie der Großmutter fühlte ich mich heimisch und im Bunde mit meinen Ahnen, der nächsten, noch lebenden, sowie den feinstofflichen.

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In der Mitte beider Felsen trafen wir uns wieder und begaben uns hinunter in die Stadt. Nach dem Ersehnten Auffüllen unserer Wasserflaschen, stand uns der dritte Kraftort bevor:
Die Blankenburg oder Freierstein (der Göttin Freya zugehörig).
Dort leitete ich eine Andacht, da die Burg im Zeichen des Zwillings, meines Sternzeichens, steht.
Dabei verloren wir einen der Kristalle, welchen wir zu jeder Kraftortbegehung in unsere Mitte legten. Obwohl ich genau sah, wo er ins Gras fiel, war er förmlich vom Erdboden verschluckt.
Unser nächstes Ziel würde der Ziegenkopf sein, dem Bauerngott Thor anhörend, stehend für Schutz, Sicherheit, Treue und Vernunft. Das Element Erde (Stier) bekam durch ein Fußschlammbad (:D) und Worte von Felix unsere Aufmerksamkeit.
Unser letzter ausfindig zu machender Ort war der Bielstein, welcher auf der Verlängerung vom Ziegenkopf liegt. Da wir nicht genau wussten, welcher Punkt auf der Karte mit Bielstein gemeint war, liefen wir zwei Stunden im Kreis, bis Felix seiner Intuition folgte und uns (mich ein wenig angestrengt und genervt) zur Bielsteinklippe führte.
Ich befreite den schönen Aussichtspunkt von Kippenresten und legte ein Ornament.
Das (wiedermal) drohende Gewitter riet uns, auf schnellstem Wege einen Schlafplatz zu finden. Gerade rechtzeitig retteten wir uns ins Trockene, bevor der Regen herniederprasselte.
Umrahmt von jungen Ahornbäumen bot uns der Platz gleich einen doppelten Schutz.

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Am nächsten Morgen, nach dem Zeltabbau und patschenden Barfußschuhen durch den frischen Tau, gewährte uns ein nächstgelegener Blick zum Brocken eine herrliche Aussicht für ein ausgiebiges Frühstück.
Mit vollen Bäuchen suchten wir vergeblich den Ort, wo auf der Karte „Michaelstein“ gekennzeichnet war, fanden ihn jedoch nicht (was aber bestimmt nicht an den vollen Bäuchen lag).
So bahnten wir uns, völlig im Buschwerk gelandet, einen Weg zum eigentlichen Ziel: Dem Kloster Michaelstein.
Dort am Platz des Odins im Zeichen des Widders (Feuer) zündeten wir eine Kerze und sprachen, nun zum 4. Mal unseren Reim. Neben uns grasten Pferde, die Tiere mit Feuerelementarwesen auf dem Rücken.

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Unweit entfernt vom Kloster trafen wir auf den nächsten Platz im Kreise der 12: den östlichsten der Lauseberge. Vorerst waren wir nicht sicher, ob er das tatsächlich war und orientierten uns am Mönchemühlenteich, der direkt daneben sein sollte.
Nach dem auch die Einheimischen uns nicht wirklich weiter helfen konnten, verglichen wir das 50 Jahre alte Bild mit der heutigen Ansicht, was sich verdächtig ähnelte. Im Buch stand, dass dort schwarze Dammerde aufgeschüttet wurde. Schon kurz unter dem Moos war humusartiger dunkler Boden erkennbar, der sich völlig vom Boden an anderen Stellen unterschied. Das musste also einer der Hügel sein!
Die Hügel wurden als Hünengräber aufgeschüttet. Hünen werden nach der heutigen Darstellung als Riesen-Menschen mit großen Händen und Füßen angesehen, doch sollen sie im eigentlichen Sinne Menschen mit herausragenden geistigen Fähigkeiten und großer Entscheidungsmacht gewesen sein. (Wir mutmaßten, dass die mit Steinen bedeckten Einsenkungen Stellen wissenschaftlicher Grabungen sein könnten, bei welchen nach den Urnen der Hünen gesucht wurde.)
Die Hünengräber sind dem Gott Hönier gewiesen, welcher für die oben beschriebenen Eigenheiten steht. Obwohl dieser Ort sehr unscheinbar wirkt, war eine, nach unserer Wahrnehmung, starke und von Ahnenenergie geprägte Atmosphäre spürbar.

Angekommen auf der Heimburg nahm uns auch der dortige Raum, erfüllt von der Präsenz des 9-zähligen Lindenkreises, wohlwollend auf. Nach dem wir die Qualitäten des Gottes Heimdall, stehend für die Geisteshaltung der Unsterblichkeit, für Bewusstsein und Glaube, in unserem Ritual integriert hatten und näher in sie hineinspürten, beobachteten wir vom Aussichtspunkt einen wunderschönen Sonnenuntergang. Als Gegenstück zur Helburg, weche die Lebendigkeit und volle Lebensfunktion aufzeigt, ist es nach Diesing, Aufgabe des Heimdall für eine schöpferische Idee neue Kraft durch den (T)OD freizusetzen.
Ein solch täglich erlebbares OD des gelebten Tages breitete sich so in seiner vollkommenen Schönheit vor uns aus. Dort schlugen wir auch unser Zelt auf, womit wir der Energie der Heimburg am längsten von allen Orten beiwohnten.

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Bevor wir uns am nächsten Vormittag dem Thyrstein nähern konnten, mussten erst unsere Flaschen im Dorf aufgefüllt werden. Es öffnete uns ein alter Pole, der mich gleich in seine Wohnung einlud.
Ich verstand durch seine Kieferfehlstellung kaum ein Wort und dennoch alles, was er zu sagen hatte. Seine Trauer und Enttäuschung über den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft war deutlich mitfühlbar, als er mir etwas von seinem Brombeersaft abfüllte und klagte, wie schlecht ihm der aus dem „Edka“ (Edeka) täte. Beim Hinausgehen griff er noch ein getrocknetes Bund Pfefferminze. Dankend nahmen wir beides an. Bestimmt eine dreiviertel Stunde noch lauschten wir (sehr angestrengt) seinen Fahrradtourabenteuern aus der Jugend und Geschichten über die Ruine Heimburg. Noch vor dem Erreichen des Thyrsteins zog es uns zum nahen Wedenberg. Felix erzählte mir von dem roten Lampignon, welchen die Weda-Elysianer einst in der Nähe des Berges aufsteigen gelassen hatten. Beim Aufstieg auf den Wedenberg fand ich neben jungen Eichen ein Stück eines roten Luftballons. Zwar nicht desselben, dennoch hatte es für mich Symbolcharakter. Wir entdeckten auch noch den Wirbel, welcher damals von der Gruppe vor zwei Jahren gelegt wurde. Wir gingen umher und sangen das Lied „Erwachende Weden“. Ich spielte auf der Panflöte, während Felix Steine auf einen Baumstumpf schichtete. Ich häufte darum einen Erdkreis an und legte aus Tannenzapfen eine Spirale. Wir dachten es wäre eine nette Idee die (ehrlicherweise sowieso nicht ganz einwandfreien…) Geschenke des alten Polen für unser Ritual dort zu lassen. Vor diesem ziemlich speziell wirkenden (Sandsteine mit Pfefferminze und roter Flüssigkeit übergossenen…) und doch für uns in diesem Moment symbolhaften Gebilde, tönten wir. Dort sprach ich mündlich meine Absicht aus, dass ich mit Felix ein Ahn-Wesen bzw. Familienlandsitz in Weda Elysia gründen möchte.

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Bevor wir die restlichen 15 Minuten zum Thyrstein zurücklegten, markierten wir noch den besten Weg hinauf zum Wedenberg mit einer beschrifteten Baumscheibe.

Als Thyrstein erreichten (verunglimpft und dem eigentlichen Sinne entzogen, heute auf der Karte Tierstein genannt), räumten wir auch dort gleich alle herumliegenden Pappteller und Kippen auf, damit wir einen sauberen Platz für die dortige Andacht genießen konnten.
Der Göttervater Thyr und Spitze der Zwölf ist der das Ziel bestimmende und findet im alten Großvater, der Herkunft und Grundlage, seinen Ausgleich.
Mächtig thront der Stein hinter hohen Kiefern gegenüber seines ebenbürtigen Bruders, dem Regenstein, bzw. Raginstein. Da die Straßenläufe teilweise über Jahrhunderte kaum geändert werden, laufen noch immer zwei Landstraßen alleenartig links und rechts zum Thyrstein hin und lassen seine Beudeutung so noch mehr zur Geltung kommen.
Wichtig war dabei für uns, bei all der historischen Beschäftigung, immer wieder gewahr zu werden, dass die Götter keine eigenständigen Wesenheiten sind, sondern gebündelte Energien, Bilder, die durch die Kraft aus dem Inneren der Menschen entstehen.
Unsere Ausrichtung war und ist, dass wir diese, von den Ahnen erschaffenen Bilder, zwar nähren, jedoch auch zum Teil wandeln und seine Kraft für das Ziel eines einer schöneren Erde nutzen.

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Am Fuße auf der anderen Seite des Thyrsteins lasen wir auf einer Tafel, dass viele Funde „frühgeschichtlicher Siedlungen“ beim Bau von Autobahnen hier in der Region gemacht wurden.
Dies brachte Felix und mich auf die Vorstellung, dass in dem Thal zwischen Thyr- und Raginstein womöglich auch eine Siedlung gewesen sein könnte, so schön gelegen.
In diesem Moment kam ich mir zum ersten Mal auf der Waderung zeitlos vor. Das klare Gefühl einer wieder und neu entstehenden Kultur (nach dem Gefühl auf dem Wedenberg) im Herzen tragend und das Bild einer grünen und schönen Erde vor Augen, passierten wir in einer denkbar merkwürdigen Zeit die Asphaltstraße mit den absurd und außerirdisch wirkenden Gefährten (Autos) und gingen in eine neue Zeit. Hand in Hand, zwischen großen Eschen und einem vom Wind wogenden Weidenmeer, nahmen wir eine große Seligkeit wahr.
Im Bewusstsein, dass wir gerade Ahnenland durchschritten, konnten wir mehr denn je die Weisheit und durch uns wirkende Energie dieser alten Seelen spüren.
Felix meinte, es erinnere ihn an eine Stelle aus den Anastasia-Büchern, als Wladimir den Großvater fragt, wo denn die Menschen der Hochkulturen gesiedelt hätten. Der Großvater führt ihn auf ein Feld und es erscheinen feinstofflich die ehemaligen Bewohner der dortigen Siedlungen.
Wir hatten den Eindruck, als würden wir von allen Seiten her angelächelt. Als ob jene Ahnen unserer strahlenden Energie, in welcher wir uns durch die Wanderung befanden, wissend und erfreut beiwohnten.
Nach einer (längst überfälligen) Wäsche im Goldbach stellte sich in unser beider Gemütern eine friedliche Ruhe ein. Wie es an solchen Tagen der bemerkbaren Bewusstseinserweiterung ist, reihte sich ein Moment der Schönheit an den anderen. Auf dem frisch gemähten Acker betrieben sicher über zehn Greifvögel große Mäusejagd. Eindrucksvoll, mit dem Raginstein im Hintergrund.
Wir genossen moosweiche sandige Böden auf unserem Weg zum letzten der Orte an diesem Tag: den Sandsteinhöhlen unweit vom Raginstein. Mich beeindruckte der Anblick sehr: Weißliche Höhlen im Halbkreis um eine exakt runde Grasfläche. Ein einzelner Stein mutete an ein Rednerpult an.

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Felix meinte, seit dem Ausspruch meiner Lebensabsicht, nähme er mich von einer gewandelten Energie wahr.
In einer Höhle, die man nur über einen Felsspalt erreichen konnte, legten wir uns schlafen. Doch die dortige dunkle und unruhige Energie ließ mich kaum ein Auge schließen.
Frühmorgens trieb uns das erwachende Sonnenlicht auch gleich wieder hinaus und wir stellten fest, dass ein Höhlenleben nichts für uns ist.

Vom Gelände des Raginsteins war ein Rasenmäher zu hören und da uns die Höhlenenergie (in uns selbst?) nach dem Zauber des vorangegangenen Tages etwas Unruhe und Reizbarkeit beschert hatte, empfanden wir einen Einbruch auf das Gelände 8 Uhr in der Früh als nicht zielführend.
So bot uns ein Nebenfelsen ein lauschiges Plätzchen für unser Ritual. Trotz allem gelang es uns in den Geist des Rat haltenden Ragins, des Recht und Regel gebenden, einzuschwingen, welcher die frohsinnige Freiheit der Freya auf dem Freierstein ausgleicht.

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Auf dem Weg zur alten Eiche passierten wir das Militärgelände. Einige mächtige herausragende Klippen sind dort eingeschlossen. Sehr schade, wie wir fanden.
Der Eindruck des eichernen Zeitgenossen war imposant. Mir kam ein Zitat vom Autor Micheal Roads in den Sinn, was ich dann so gleich umsetzte:

„Vor einem Baum sich neigen
nimmt einen Augenblick nur unsrer Zeit,
was wir dafür erhalten möge,
füllt alle Räume der Ewigkeit.“

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Allmählich machte sich die Qualität einer langen Wanderung bemerkbar. Die Ruhe und der Frieden, den wir äußerlich in der Landschaft auf dem Weg zur Fuchsklippe wahr nahmen, breitete sich in uns aus; ein seelisches Gleichgewicht, dass sich einstellt, wenn Phasen der Ermüdung durch körperliche Ertüchtigung bewältigt werden. So gingen wir ein langes Stück schweigend nebeneinander her.

Nach einem Besuch auf dem gläsernen Mönch war uns nicht ganz klar, welche der eingezeichneten Klippen denn nun die Fuchsklippe sein sollte. Aus irgendeinem Grund waren wir beim Erreichen der zweiten größeren Klippe, die dort oben, an diesem schönen kiefernbewachsenen Hochweg zu finden sind, überzeugt, dass sie das sein müsste. Das heißt, ich war überzeugt und Felix hatte einfach keine Lust mehr zum Laufen. Nach dem wir am Morgen unser regennasses Zelt abbauten, welches wir ein Stück weiter von der Klippe entfernt aufgebaut hatten, mussten wir nur ein paar Meter laufen, um an einer Kiefer die Beschilderung „Fuchsklippe“ zu lesen, welches vor der eigentlichen Klippe befestigt war. Diese war noch größer und auffälliger, mit einem rundlichen, großen Stein am Eingang. Ich dachte mir, Forsetti, Gott für Forschung und Versuchung, der für diesen Ort steht, kann einen nun auch mal in die Irre führen, weil es zur Forschung gehört, falsch zu liegen.

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2 Orte des 12er Kreises lagen nun noch vor uns: Königsstein und Eselstall. Glücklicherweise würden wir den Königsstein nicht verwechseln können. Nach einem Schauer, der uns bis auf die Haut durchnässte und mit am letzten Tag nun doch schmerzenden Füßen gönnten wir uns am Königststein erstmal ein ausgiebiges Mittagsmahl. Am in den Stein gezeichneten Sonnenrad sagten wir unser Gedicht auf und umrundeten einmal den Platz der Waage, der nach Diesing u.a. für Gemeinschaft steht.

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Nun wartete noch der allerletzte Kraftort: der Eselstall auf uns, wo eine noch größere Anlage als Stonehenge gestanden haben soll. Wieder war uns nicht ganz klar, wo er zu finden sein würde, also fragten wir ein älteres Ehepaar im Dorf, die uns den Weg bestimmt noch 10 mal mehr erklärt hätten. Doch zum Unglück unserer Füße verliefen wir uns trotzdem. Erst durch eine Kraftorttelefonberatung (durch Maik) kamen wir mit neuer Orientierung in die richtige Richtung. Bald ragte ein Hügel im Wald steil vor uns empor und wir nahmen schon dort eine Änderung der Atmosphäre wahr. An der Bank und dem noch letzten stehenden Stein angekommen, wussten wir, dass wir richtig waren.
Obwohl uns die Mücken dort mehr mochten als wir sie, war es ganz besonders erhebend, uns an diesem Platz beim Gedicht und Lied in die Energie der Ahnen einzufühlen, die dort beisammen gewesen waren und noch sind. Das Gefühl einer anderen Zeit durchdrang mich tief, als ich den vom Regen ausgewaschenen Stein ansah, der deutlich die Form eines Gesichtsprofils angenommen hat. Mehr als die (lineare) Vergangenheit, war es die Ewigkeit des Jetzt, welche sich in meinem Bewusstsein bemerkbar machte und ich spürte sie neben uns, über uns, in uns.

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Genau dort wo wir aufgebrochen waren, wollten wir an diesem Abend noch ankommen: An unserer Jurte im Naturgarten.
Voller Freude über die zurückliegenden Tage und die bevorstehende Ankunft stimmten wir ein sehr treffendes Lied an: „Wieder nach langem Weg, schließt sich ein Kreis…“
Doch unser Abenteuer würde erst am nächsten Tag sein wirkliches Ende finden: Jetzt musste all das noch zum Mittelstein gebracht werden. Dankbar am Tag darauf die festen Wanderburschen tragen zu können, legten wir auch noch den Rest des Weges zu Fuß zurück. Ein letztes Mal trugen wir dort das Gedicht vor.
Die Energie, welche am Mittelstein präsent war, beschrieb Felix als eine organische Hochspannungsleitung.
Uns beiden kribbelten sofort die Nasenflügel, dann der ganze Mund-Nasen Bereich. Ich nahm deutlich ein starkes Vibrieren am Rücken wahr und fühlte Ehrerbietung, ob dieser mächtigen engertischen Vorgänge.

Nun, mit 4-monatigem Rückblick, kann ich sagen, dass sich durch diese Wanderung etwas mehr des Zaubers, der Geheimnisse und ihrer Bedeutung für uns offenbarte, doch in ihrem gänzlichen Ausmaß nur andeutete.

Eine solche Wanderung können wir jedem empfehlen. Wir sind alle 6 Gegensatzpaare mit der Intention abgelaufen, ihre Kräfte in uns selbst zu aktivieren und so, durch die Gegensätzlichkeit der 12 elementaren menschlichen Eigenschaften, ihre Mitte in uns zu stärken. Diese sind konkret (nach Diesings Auflistung und so wie sie sich für uns dargestellt haben):

1. Thyr (Thyrstein): Zielsetzung, Erfolg + Njörd (Großvaterfelsen mit Großmutter): Grundlage, Ursprung → Ein zu erreichendes Ziel braucht seine materiallen und immateriellen Grundlagen; Die Frage „Wo gehe ich hin?“ braucht die Frage „Wo komme ich her?“
2. Ragin (Regenstein): Reglementierung, Recht, Rat + Freya (Blankenburg): Frohsinn, Freiheit, Frieden → In Frieden frei und freudig leben zu können, gelingt kaum ohne Strukturen durch z.B. Regeln und Rechte braucht, über die ein Konsens gefunden werden muss (beim Rat halten), jedoch sind Strukturen ohne Lebensfreude und Frohsinn entweder tot oder destruktiv. Was heißt das für den Einzelnen? Zum Beispiel ganz einfach: Die wirkliche Freiheit, in der ein erfülltes Leben genossen werden kann, braucht Struktur
3. Forsetti (Fuchsklippe): Forschung, Versuchung + Thor (Ziegenkopf): Sicherheit, Schutz → Erst wenn die Grundbedingungen wie seelische und körperliche Sicherheit einigermaßen gegeben sind und ein geschützter Raum vorhanden ist, können neue Dinge ausprobiert werden, das Leben erforscht werden. Ein Kind braucht einen geschützten Raum zum Lernen. Tiere beginnen erst zu spielen, wenn sie sich sicher und geborgen fühlen. Für mich steht hier auch dieTreue zu konventionellem schon Erprobten in Kontrast zum Drang nach einem Wandel, nach neuen unbekannten Möglichkeiten. Beide Aspekte sollten sich die Waage halten.
4. Ägir (König(innen)stein): Gemeinschaft, Gleichgewicht + Odin (Michaelstein und Kloster): selbstbewusste Einzelkämpfer, Tatendrang, Hohe Energie (wenn destruktiv Aggression) → Das Individuum braucht die Gemeinschaft um im Gleichgewicht zu bleiben, weil nicht alles allein geschafft werden kann; die Gemeinschaft braucht das tatkräftige Individuum, um wirksam zu sein und oft einzelne mit hohem Selbst-Bewusstsein und innerer Stärke als Leitung
5. Loki (Eselstall): Beschränkung, Analystische und kalkulierende Entscheidung, Bescheidenheit + Hönir (Lauseberge): Weisheit durch Intuition bei Entscheidung, Könner, der großzügige König → Wir kamen zu dem Gedanken, dass sich diese Unterschiede in der Art Entscheidungen zu treffen, für uns hier zeigen. Ich weiß nicht ob eine intuitive Entscheidung erst dann wirklich weise wird, wenn sie die Analyse des Greifbaren durchlaufen hat, jedoch braucht es im Leben manchmal die eine und manchmal die andere Art, Entscheidungen zu treffen. Um erfolgreich zu sein, muss ich in den richtigen Momenten Bescheidenheit zeigen
6.Hel (Kucksburg oder Helburg): volle Lebensfunktion, Leistung, Liebe + Heimdall (Heimburg): Bewusstsein (der unsterblichen Seele) → Freisetzung schöpferischer Energie durch den Tod, durch das Ende eines Lebens in der nicht alles vorhandene Potential genutzt wurde, um dann wieder in die volle Lebensfunktion einzutreten, zu Höchstleistungen bereit, bereit für ein Leben in Liebe.

Nun fällt uns auf, dass nur an 3 Orten weibliche Qualitäten zu finden sind: Bei der Hel, der Freya und der Großmutter am Großvaterfelsen. Es überwiegt so das männliche Prinzip, wenn man sich nach den germanischen Gottheiten ausrichtet. Das ist ein Zeichen der Zeit unser bisher patriarchal lebenden Gesellschaft. Die Bilder, die an diesen Orten erschaffen wurden, sollten zur Hälfte weiblicher und zur anderen Hälfte männlicher Qualität sein. Mein Bild für den künftigen Himmel auf Erden: Immer ein männliches und weibliches Prinzip an den jeweiligen Orten stehen sich als Paar gegenüber und werden durch den Mittelstein geeint. Wären Loki, Ägir und Forsetti elementale (bildhaft-feinstoffliche…) Göttinnen (würde dieses Bild dort erzeugt, die Energie gewandelt werden) so wäre, dieser Erkenntnis nach, der Himmel auf Erden im Gleichgewicht.

Das ist für mich einer der wesentlichsten Aspekte, wie wir die Kraftorte für unser eigenes Leben und unsere Visionen nutzen können: Die Einigung der Gegensätze ins uns.

Ich wünsche mir, dass sich die dort noch geborgene Weisheit durch das weitere Sein und Wirken an den Plätzen mehr und mehr entfaltet und sich in unserem Leben erkenntlich macht.

So möchte ich abschließend Walter Diesing danken, der den Grundstein des Erkennens vom Himmel auf Erden, des Lichtes unserer Heimat, gelegt hat.

(Am 21. Dezember besuchten wir noch den übrigen Ort, den wir bei der Wanderung ausgelassen hatten: Den Menhir auf gleicher Linie mit der Heimburg. So konnten wir unser diesjähriges Kraftortewirken gut abschließen: Mit der Wanderung kurz nach der Sommersonnenwende und der Wintersonnenwende am 21. Dezember, beim Menhir, der Heimburg und dem Mittelstein. Daher ist das späte Hochladen des Textes noch stimmig.)

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Veröffentlicht am 29. Dezember 2016, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Liebe Felix und Frieda,
    Schön, die Beschreibung eurer ‚Himmel-auf-Erden‘-Abenteur zu lesen.

    Ich habe diesen Krafortenkreis vor einigen Jaren entdeckt und war seitdem mehrmals im Jahr im Harz. Ich habe mich als Astrologe intensiv mit den verschiedenen Energien befaßt und entdecke immer wieder Neues…
    Ich habe Vieles aufgeschrieben und es gibt jetzt ein Heft, worin ich die verschiedenen Orte ausfühlich beschrieben habe: genaue Wegbeschreibungen, Geschichten und Eigenschaften des zugehörigen Gottes, Tierkreiszeichen und die Zusammenhänge.
    Dazu etwas über die Germanischen Mythologie und Astrologie.
    Inzwichen habe ich den Text auch auf Deutsch übersetzt und die Korrekturen im Haus.
    Spätestens Mitte Juni fahre ich wieder in den Harz. Dann ist das Heft auch in deutscher Spache fertig.
    Wenn ihr Kontakt aufnehemen wollt: info@hansplanje.nl
    Mit freudlichen Grüßen,
    Hans Planje
    Enschede – NL.

  2. Ingrid C. Hoestermann

    Frieda, danke, habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen, 2x, interessantes „Forschungsgebiet“, zugegebenermaßen bin ich wenig informiert über Harzhistorie, -geologie, -biologie und deren Kraftwurzeln. Es war nicht mein „Ziel“, der OstHarz, es hat sich so ergeben, jetzt ist es so.
    Fremd -Sein -Erfahrung mit „Schockcharakter“, pos und neg, hin und her, mutig, scheu, allein, chaotisch, verwirrt, verwirrend, lebendig, und 1.839.274,506 x ungefähr pro Einheit gefordert , das pendelt zur Tiefenentspannung, unweigerlich, Geborgenheit im Ich suchend …
    nimm das als antwort
    auch wenn es
    nicht passen mag

    dadurch aber
    eine offenheit lässt
    die
    freiheit
    heißen kann.

    rieder, den 08.02.2017
    ichoe.

    • Liebe ichoe-inge,

      danke für deine Rückmeldung!
      Ja, dem Informieren über die Geschichte unserer Heimat, geologisch wie sozial und mysthisch, widme ich und möchte ich mehr Aufmerksamkeit widmen.

      An mich nehme ich
      deine Worte.
      Auch wenn ich hin und her
      schweife
      ob du
      weist auf obige Worte
      ich mich im Wort suchend
      oder
      dich
      im öffnenden Sinn der Freiheit
      findest

      Liebe sende ich dir.
      Frida

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